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3 Fragen an...

Konstantin Singer, Entwickler der Zenbox & Gründer von Singer Labs in Stuttgart

Abends noch kurz am Handy scrollen – und plötzlich merkt man, dass man eigentlich längst im Bett sein wollte. Dieses Phänomen kennen viele. Auch Konstantin Singer, Entwickler der Zenbox und Gründer von Singer Labs in Stuttgart, hatte in seiner Zeit als junger Vater damit zu kämpfen. Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus entstand die Zenbox: eine kleine Box, die als physischer App-Blocker eine bewusste digitale Auszeit unterstützt. Im Kurzinterview erzählt Singer, wie die Zenbox genau funktioniert, wie die Idee entstanden ist, auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen sie basiert und wie er die Gründungslandschaft in Baden‑Württemberg wahrnimmt.

Herr Singer, die Zenbox ist ein physischer App-Blocker und soll helfen die eigene Bildschirmzeit besser zu kontrollieren. Wie genau funktioniert das?

Konstantin Singer: Die Zenbox ist ein kleines physisches Objekt mit integriertem NFC-Chip, das mit unserer App auf iOS und Android zusammenarbeitet. Man legt das Smartphone kurz auf die Box, und die Apps, die man vorher selbst ausgewählt hat, sind blockiert. Um sie wieder freizuschalten, muss man zurück zur Zenbox gehen und sie erneut antippen.

Der entscheidende Punkt ist dieser physische Umweg. Reine Softwareblocker scheitern daran, dass man sie mit zwei Taps wieder ausschaltet, also genau in dem Moment, in dem die Selbstkontrolle am schwächsten ist. Die Zenbox verlagert diese Entscheidung aus dem Reflex heraus in die physische Welt. Man trifft sie einmal bewusst, morgens am Schreibtisch oder abends im Flur, und muss sie danach aktiv rückgängig machen.

Wir nennen das „intentionale Reibung“: kein Verbot, sondern eine kleine Hürde, die aus einer unbewussten Gewohnheit eine bewusste Entscheidung macht.

Wie kamen Sie auf die Idee die Zenbox zu entwickeln? Und auf welche Grundlagen stützen Sie sich bei der Entwicklung des Produkts (z. B. wissenschaftliche Erkenntnisse/ Expertinnen und Experten)?

Konstantin Singer: Die Idee ist nachts entstanden. Unsere Tochter war als Baby oft wach, und ich saß dann mit ihr im dunklen Zimmer und wollte eigentlich nur eins: selbst zur Ruhe kommen. Musik hören, durchatmen, den Kopf leer bekommen. Stattdessen habe ich das Handy in die Hand genommen und mich eine Stunde später beim Scrollen wiedergefunden. Nicht ausgeruht, sondern aufgedreht.

Irgendwann wurde mir klar: Das Gerät dient mir nicht mehr, ich diene ihm. Ich hatte alle Softwarelösungen durchprobiert, von der Bildschirmzeit über den Fokusmodus bis hin zu diversen Apps, die das Blockieren versprechen. Alle habe ich innerhalb weniger Tage umgangen, weil zwei Taps genügen. Da war für mich klar, dass die Lösung nicht auf demselben Gerät liegen kann, das das Problem verursacht. Sie muss physisch sein.

Fachlich stützen wir uns auf mehrere Stränge der Forschung. Die Studie „Brain Drain“ (Ward et al., 2017) zeigt, dass allein die sichtbare Anwesenheit des eigenen Smartphones die verfügbare kognitive Kapazität messbar senkt. Sophie Leroys Arbeiten zum „attention residue“ belegen, wie lange Aufmerksamkeit nach einer Unterbrechung nachhängt. Und aus der Gewohnheitsforschung, etwa von Wendy Wood, wissen wir, dass Verhaltensänderung deutlich zuverlässiger über die Gestaltung der Umgebung funktioniert als über Willenskraft. Wir verändern deshalb nicht den Menschen, sondern seine Umgebung.

Sie entwickeln und produzieren die Zenbox in Baden-Württemberg. Was waren die größten Herausforderungen, bis das Produkt auf dem Markt war? Und wie könnte es Gründerinnen und Gründern im LÄND noch erleichtert werden, innovative Produkte zu entwickeln?

Konstantin Singer: Die größte Herausforderung war für mich, ein lokales Unternehmen zu finden, das mich in der Hardwareproduktion unterstützt. Da hatte ich Glück: Beim Gründergrillen in Stuttgart habe ich die WMT GmbH kennengelernt, mit der wir bis heute zusammenarbeiten. Wir haben bewusst klein angefangen und zunächst im 3D Druck gefertigt statt im Spritzguss. Das skaliert nur bedingt, reicht aber aus, um die ersten 2.000 Geräte in den Markt zu bringen und das Produkt am echten Kunden zu validieren.

Genau daraus ergeben sich für mich zwei Ansatzpunkte. Erstens gibt es meines Wissens keine passende Förderung für kleine Hardwareprojekte. Die bestehenden Programme sind auf Software oder auf große Investitionsvolumen zugeschnitten, während gerade die frühe Phase zwischen Prototyp und erster Serie kapitalintensiv ist. Zweitens war das Matching mit einem Fertigungspartner bei mir reiner Zufall. Die Kompetenz sitzt in Baden-Württemberg oft 20 Kilometer entfernt, man findet sie nur nicht. Ein systematischer Zugang zum produzierenden Mittelstand wäre für Gründerinnen und Gründer ein echter Beschleuniger.

Seiten-Adresse: https://www.forum-gesundheitsstandort-bw.de/infothek/stimmen-aus-dem-forum/konstantin-singer-entwickler-der-zenbox-und-gruender-von-singer-labs-stuttgart