Konstantin Singer: Die Idee ist nachts entstanden. Unsere Tochter war als Baby oft wach, und ich saß dann mit ihr im dunklen Zimmer und wollte eigentlich nur eins: selbst zur Ruhe kommen. Musik hören, durchatmen, den Kopf leer bekommen. Stattdessen habe ich das Handy in die Hand genommen und mich eine Stunde später beim Scrollen wiedergefunden. Nicht ausgeruht, sondern aufgedreht.
Irgendwann wurde mir klar: Das Gerät dient mir nicht mehr, ich diene ihm. Ich hatte alle Softwarelösungen durchprobiert, von der Bildschirmzeit über den Fokusmodus bis hin zu diversen Apps, die das Blockieren versprechen. Alle habe ich innerhalb weniger Tage umgangen, weil zwei Taps genügen. Da war für mich klar, dass die Lösung nicht auf demselben Gerät liegen kann, das das Problem verursacht. Sie muss physisch sein.
Fachlich stützen wir uns auf mehrere Stränge der Forschung. Die Studie „Brain Drain“ (Ward et al., 2017) zeigt, dass allein die sichtbare Anwesenheit des eigenen Smartphones die verfügbare kognitive Kapazität messbar senkt. Sophie Leroys Arbeiten zum „attention residue“ belegen, wie lange Aufmerksamkeit nach einer Unterbrechung nachhängt. Und aus der Gewohnheitsforschung, etwa von Wendy Wood, wissen wir, dass Verhaltensänderung deutlich zuverlässiger über die Gestaltung der Umgebung funktioniert als über Willenskraft. Wir verändern deshalb nicht den Menschen, sondern seine Umgebung.