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4 Fragen an...

Stefan Drescher, Geschäftsführer und Gründer der Drescher Consulting GmbH und Sabine Duval, Leitende Beraterin und Branchenleiterin Gesundheitswesen, MedTech und Life Sciences.

Anpassungsfähigkeit, vorausschauendes Handeln und ein pragmatischer Umgang mit künstlicher Intelligenz – diese drei Punkte sehen Stefan Drescher und Sabine Duval von der Drescher Consulting GmbH als kritisch für die zukünftige Entwicklung von Organisationen im Gesundheitswesen. Warum sich das Consulting-Unternehmen inzwischen stärker auf den Life-Science-Sektor konzentriert, welche Prinzipien sich aus anderen Industrien auf den Gesundheitssektor übertragen lassen und worauf Gesundheitsunternehmen für eine sichere Zukunft achten sollten, erläutern die beiden in unserem Kurzinterview.

Herr Drescher, was hat dazu geführt, dass Sie Ihren Schwerpunkt als Beratungsunternehmen in den letzten Jahren stärker auf Gesundheitswesen, MedTech und Life Sciences gelegt haben?

Unser Fokus auf Gesundheitswesen, MedTech und Life Sciences war nicht das Ergebnis einer einzelnen Entscheidung. Es ist vielmehr eine kontinuierliche Entwicklung über mehrere Jahre gewesen. Wir sehen mit dem demografischen Wandel einen langfristigen Trend, der die Bedeutung dieser Branchen weiter steigern wird. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Spielregeln sowie das strategische Denken und schaffen so einen wachsenden Bedarf an Orientierung, Anpassungsfähigkeit und wirksamer Umsetzung.

Wir haben erkannt, dass viele Kompetenzen, die wir in anderen Industrien aufgebaut haben, gerade hier einen relevanten Beitrag leisten können. Themen wie Strategieentwicklung- und Umsetzung, Transformation, Organisationsentwicklung oder der praxisnahe Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind branchenübergreifend von Bedeutung. Ein weiterer Aspekt war die bewusste Diversifizierung unseres Unternehmens zur Risikosteuerung.

Insgesamt war es daher die Kombination aus einem zukunftsorientierten Marktumfeld, technologischen Entwicklungen und der Überzeugung, mit unserem Know-how einen spürbaren Mehrwert stiften zu können. Deshalb engagieren wir uns heute mit großer Begeisterung im Ökosystem Gesundheitswirtschaft.

Welche Prinzipien aus anderen Industrien wie z. B. Automotive lassen sich auf das Gesundheitswesen übertragen? Und wo würden Sie ausdrücklich vor einer Übertragung warnen?

Viele Prinzipien aus anderen Industrien lassen sich gut auf das Gesundheitswesen übertragen. Dazu gehören meines Erachtens insbesondere ein strukturiertes Anforderungsmanagement, professionelle Produktentwicklungsprozesse, wirkungsvolle Vertriebs- und Customer Service Prozesse sowie zahlreiche Methoden und Standards aus dem Qualitätsmanagement und Lieferantenmanagement. Oft stelle ich fest, dass die Herausforderungen sehr ähnlich sind, auch wenn sie im Gesundheitswesen teilweise anders benannt werden.

Gleichzeitig würde ich ausdrücklich davor warnen, die Prinzipien unreflektiert zu übertragen. Die Gesundheitswirtschaft verfügt über eigene regulatorische Anforderungen, spezifische Marktmechanismen und eine besondere Fachsprache. Wer diese Besonderheiten unterschätzt, riskiert Missverständnisse und Fehlentscheidungen.

Erfolgreicher Wissenstransfer bedeutet daher nicht, bewährte Ansätze eins zu eins zu kopieren, sondern sie an die Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der Branche anzupassen. Methodenkompetenz ist wichtig, Branchenverständnis jedoch ebenso. Wir erleben, dass die Kombination aus beidem die Grundlage für nachhaltigen Erfolg schafft.

Frau Duval, wenn Sie auf die nächsten ein bis zwei Jahre schauen: Welche zwei bis drei Fähigkeiten müssen Organisationen im Gesundheitswesen besonders stärken, um handlungsfähig zu bleiben? Gerade auch, wenn es um den Einsatz von KI als Führungsinstrument oder systematische Krisenfrüherkennung geht?

Wenn ich auf die nächsten ein bis zwei Jahre schaue, halte ich drei Fähigkeiten für besonders entscheidend: Die erste ist permanente Anpassungsfähigkeit. Wir erleben eine Zeit der zunehmenden Dynamik und Unvorhersehbarkeit von Markt- und Technologieveränderungen, begleitet von wachsender Komplexität und Parallelität der Ereignisse. Erfolgreich werden aus meiner Sicht die Organisationen sein, die auch unter Unsicherheit Orientierung geben, klare Prioritäten setzen und konsequent handlungsfähig bleiben.

Die zweite Fähigkeit ist ein pragmatischer Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Nicht der Einsatz der Technologie an sich wird den Unterschied machen, sondern die Fähigkeit, KI gezielt als Steuerungsinstrument zu nutzen; unter anderem, um Versorgungssicherheit und Business Continuity von Ressourcenengpässen zu entkoppeln. Für mich ist KI daher nicht nur ein Technologiethema, sondern vielmehr ein Führungs- und Kulturthema.

Der dritte Punkt fasst die ersten beiden im Grunde genommen zusammen: Präsilienz. Also die Fähigkeit, Chancen, Risiken und Veränderungen sehr früh zu erkennen und daraus bereits heute die richtigen Entscheidungen abzuleiten. Nicht nur auf Wandel zu reagieren, sondern Zukunft proaktiv zu gestalten. Wissend, dass dies einfacher gesagt als getan ist.

Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps, um sich als Unternehmen aus dem Gesundheitswesen oder der Life-Science-Branche zukunftssicher aufzustellen?

Zunächst möchte ich meinen Respekt für die tägliche Leistung im Gesundheitswesen ausdrücken. Ich möchte weniger Tipps geben als vielmehr meine Perspektive darauf teilen, was Organisationen langfristig zukunftsfähig macht. Vielleicht ist der eine oder andere Gedanke dabei, der sich auf den eigenen Unternehmenskontext übertragen lässt.

Ich bin überzeugt, dass nachhaltiger Erfolg dort entsteht, wo Patienten, Mitarbeitende und Kunden konsequent im Mittelpunkt stehen. Wo Angebote an ihren tatsächlichen Bedürfnissen ausgerichtet werden. Und wo Menschen befähigt werden, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Eine der Grundlagen dafür ist aus meiner Sicht eine chancenorientierte Haltung: neugierig auf Veränderungen, offen für neue Möglichkeiten und gleichzeitig pragmatisch in der Umsetzung. Klarheit, Mut und Verantwortungsbereitschaft sind meiner Erfahrung nach hilfreiche Voraussetzungen.

Gelingt dies, entstehen Organisationen, die nicht nur auf Wandel reagieren, sondern ihn aktiv gestalten. Sie bleiben auch unter unsicheren Rahmenbedingungen handlungsfähig und tragen dazu bei, die Zukunft der Gesundheitswirtschaft gemeinsam mit den Akteuren des Ökosystems mitzugestalten.

Seiten-Adresse: https://www.forum-gesundheitsstandort-bw.de/infothek/stimmen-aus-dem-forum/stefan-drescher-geschaeftsfuehrer-und-gruender-der-drescher-consulting-gmbh-und-sabine-duval-leitende-beraterin-und-branchenleit