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Wie kann KI in der Medizin bestmöglich zum Einsatz kommen?

Von Darmkrebsvorsorge bis hin zur individualisierten Behandlung – Künstliche Intelligenz bietet das Potenzial, die Versorgung zu verbessern. Wo wir aktuell stehen und wohin die Reise künftig gehen wird, darüber sprechen Expertinnen und Experten aus Forschung, Versorgung, Politik und Wirtschaft am 15. September 2022 zum Auftakt der Wanderausstellung des Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg im Klinikum Stuttgart. Noch bis 20. September können sich Besuchende in der Ausstellung über das Forum und dessen Aktivitäten informieren. Der Digital Health Bus der Koordinierungsstelle Telemedizin lädt im genannten Zeitraum ebenfalls ein, über die Digitalisierung im Gesundheitswesen ins Gespräch zu kommen.

Intelligente Systeme unterstützen schon heute nicht nur in der Datenbearbeitung und -verwaltung, sondern auch bei der Diagnose und Behandlung. Die digitale Vernetzung von Patientendaten ermöglicht es zudem, Behandlungsprozesse zu individualisieren und zu optimieren. Denn schneller als jeder Mensch können Systeme, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, in kürzester Zeit große Datenmengen kombinieren und analysieren. Das ebnet den Weg für intelligente Anwendungen in den Bereichen medizinische Bildverarbeitung und Diagnostik, Therapieauswahl, Überwachung chronischer Krankheiten, roboterassistierter Chirurgie oder im Krankenhausdatenmanagement. Wo aber stehen Mediziner heute beim Einsatz von KI im klinischen Alltag? Wo sind die Chancen besonders groß, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern und wohin entwickeln sich neue Ansätze? Darüber wird beim Auftakt der Wanderausstellung des Forums Gesundheitsstandort „Gemeinsam für Gesünder“ am 15. September im Klinikum Stuttgart unter dem Motto „Zukunft Präzisionsmedizin: Welches Potenzial birgt KI?“ diskutiert. Die Moderation übernimmt Angelika Hensolt vom Südwestdeutschen Rundfunk.

Beispiel: KI in der Darmkrebsvorsorge

Nach einleitenden Worten von Prof. Jan Steffen Jürgensen, dem medizinischen Vorstand des Klinikums, sowie von Ministerialdirektor Hans Reiter aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg werden Praktiker aus der Versorgung unter anderem einen Einblick in bereits laufende Pilotprojekte geben. So wird Prof. Dr. Wolfram Zoller, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Pneumologie am Klinikum Stuttgart in seinem Impulsvortrag auf das Potential von KI für die Darmkrebsvorsorge eingehen. In einem unter dem Dach des Forums Gesundheitsstandort geförderten Projekts untersucht er mit weiteren Kolleginnen und Kollegen, wie KI-basierte Systeme eine Darmkrebsspiegelung verbessern und die Ärztinnen und Ärzten gezielt bei der Diagnose unterstützen können. „Unser System ist darauf trainiert, Polypen zu erkennen und diese in Echtzeit auf dem zweiten Untersuchungsbildschirm zu markieren. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt anschließend, ob es sich um eine Krebsvorstufe handelt oder nicht und wie der weitere Therapieweg aussehen müsste“, erläutert Zoller und ist sich sicher: „Die Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs profitieren auf diese Weise sehr direkt von den neuen Forschungsergebnissen und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Diagnostik.“

KI wird Mediziner unterstützen, aber nicht ersetzen

Welche Chancen und Herausforderungen von KI in der Medizin darüber hinaus bestehen, damit setzt sich Jan Hüsing, District Leiter Philips Health Systems, in seinem Impulsvortrag während des Auftakt-Events auseinander: „Künstliche Intelligenz wird nie einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Aber sie wird dabei helfen, große Datenmengen in handlungsrelevante Informationen zu übersetzen.“ Gerade mit Blick auf die Effizienz im Gesundheitswesen sehen Wirtschaftsunternehmen wie Philips ein großes Potenzial beim Einsatz neuer digitaler Technologien. So kann die Fähigkeit von KI, große Datenmengen zu sichten und zusammenzuführen nicht nur Diagnostik und Therapie präzisieren, sondern auch die Verwaltung bei der Optimierung von Leistung und Produktivität unterstützen. Ressourcen können besser ausgelastet, Zeit und Kosten gespart werden – etwa im Terminmanagement oder in der Vorbereitung auf Untersuchungen. Aber auch bei der ganzheitlichen Sicht auf Patientinnen und Patienten kann KI effiziente Lösungen bieten.

Integrierte Diagnostik vorantreiben

Genau hier setzt auch das Start-up medicalvalues GmbH aus Karlsruhe an. Es hat sich zum Ziel gesetzt, eine KI-basierte integrierte Diagnostik voranzutreiben. Gründer und Geschäftsführer Jan Kirchhoff wird bei der Veranstaltung in Stuttgart aus den Erfahrungen seines noch jungen Unternehmens berichten: „Auch wenn die moderne Medizin bereits eine sehr zielgerichtete Diagnosefindung ermöglicht, wird das Potenzial oft nicht ausgeschöpft. Wir bieten eine Softwareplattform für Labore und Kliniken, die Ärztinnen und Ärzte mit einer effektiven Stufendiagnostik bei der frühen und gezielten Diagnosestellung unterstützt. Dies entlastet die Mediziner im klinischen Alltag und führt zu einem optimierten Ressourceneinsatz sowie zu besseren Patient Outcomes.“ Dafür hat das Unternehmen eine KI entwickelt, die medizinisches fachübergreifendes Wissen und diagnoserelevante Echtzeit-Daten wie Laborbefunde, Vorerkrankungen oder Symptomatiken kombiniert, so dass eine holistische Abbildung des individuellen Gesundheitszustandes gegeben ist und komplexe Wechselwirkungen sichtbar gemacht werden.

Hier geht’s zur Anmeldung der Veranstaltung: https://www.forum-gesundheitsstandort-bw.de/veranstaltungen/zukunft-praezisionsmedizin-welches-potential-birgt-ki

Begleitend zur Veranstaltung: Wanderausstellung & Digital Health Bus

Parallel zur Veranstaltung macht die Wanderausstellung „Gemeinsam für Gesünder“ des Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg vom 15. bis 20. September Station im Klinikum Stuttgart. Vom 15. bis 17. September wird sie begleitet vom Digital Health Bus der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg.

Zur Wanderausstellung der Kampagne „Gemeinsam für Gesünder“:

Die Wanderausstellung des Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg bringt Informationen über innovative Ansätze im Gesundheitswesen zu den Bürgerinnen und Bürgern. Auf zehn Präsentationsflächen wird in Text, Grafik, Video und Audio anschaulich dargestellt, vor welchen Herausforderungen das Gesundheitswesen der Zukunft steht, welche Rolle die Digitalisierung spielt und wie in Baden-Württemberg daran gearbeitet wird, dass alle Bürgerinnen und Bürger vom medizinischen Fortschritt profitieren. (Mehr Infos zur Ausstellung und den Themen gibt es hier) Der Digital Health Bus der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg wird ebenfalls vor dem Business Development Center Halt machen. Hier können sich Interessierte hautnah über digitale Gesundheitsanwendungen informieren und selbst aktiv werden.

Eckdaten der Ausstellung:

  • Ort: Klinikum Stuttgart, Haupteingang Kriegsbergstraße 60, 70174 Stuttgart
  • Öffnungszeiten Ausstellung: täglich von 8-18 Uhr
  • Zugangszeiten Digital Health Bus: am 15.9. 17-20:30 Uhr; am 16./17.9 jeweils von 10-16 Uhr

Über das Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg:

Ausrichter der Wanderausstellung ist das „Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg“. Seit seiner Gründung im Jahr 2018 setzt sich das von Ministerpräsident Winfried Kretschmann initiierte Forum dafür ein, die medizinische Forschung, innovative Medizintechnik, nutzenstiftende Technologien und die medizinische Versorgung der Menschen im Land weiter voranzubringen. Dafür haben sich aktuell mehr als 500 Akteurinnen und Akteure aller Bereiche des Gesundheitssektors unter dem Dach des Forums miteinander vernetzt. Zudem werden derzeit 64 Projekte mit rund 100 Mio. Euro gefördert, die allesamt interdisziplinär angelegt sind und auf einen konkreten Nutzen für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger stiften sollen.

Seiten-Adresse: https://www.forum-gesundheitsstandort-bw.de/aktuelles/pressemitteilungen/wie-kann-ki-der-medizin-bestmoeglich-zum-einsatz-kommen