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Eröffnung der Wanderausstellung "Gemeinsam für Gesünder" in Heidelberg

Praxis-Einblicke in die Digitalisierung des Gesundheitswesens

Über Chancen und Herausforderungen bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen wurde Anfang September beim Auftakt der Wanderausstellung im Technologiepark Heidelberg diskutiert. Mit dabei waren Expertinnen und Experten aus der Landesregierung, vom Universitätsklinikum Heidelberg, Roche Diagnostics, der AOK und dem Verband DER PARITÄTISCHE Baden-Württemberg.

Die große Bedeutung des Gesundheitsstandorts für das Land Baden-Württemberg betonte Dr. Ute Leidig, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, in ihrem Grußwort. Sie machte zudem deutlich, dass Forschung, Versorgung und Wirtschaft eng verzahnt zusammenarbeiten müssten, um den Standort weiterzuentwickeln. Zudem sei die Digitalisierung und hierbei insbesondere die Nutzung von Gesundheitsdaten ein wichtiges Ziel.

Am Beispiel eines Universitätsklinikums berichtete Dr. Hannes Kenngott, Leiter Stabsstelle Medizinentwicklung, Innovationsmanagement und Digitalisierung am Universitätsklinikum Heidelberg, vor welchen Herausforderungen man in der Praxis steht. Denn einerseits will man den Patientinnen und Patienten eine individuelle Therapie ermöglichen, andererseits müssten dafür auch alle nötigen Daten gebündelt vorliegen und das Wissen aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt werden. Gerade eine solche intersektorale Begleitung von Patientinnen und Patienten sei in der Praxis aber noch eine Herausforderung, so Kenngott. „Die Standardisierung der Daten, die in Verbindung mit Geräten erhoben werden, müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um Informationen und Präzision zu gewährleisten“, sagte er. Um Innovationen zu schaffen, müssten zudem viele Aspekte wie beispielsweise Regulatorik, Datenschutz und Cybersicherheit ebenfalls beachtet werden – eine komplexe Aufgabe in einem Krankenaus.

Über die Herausforderungen, unterschiedliche Datensysteme und Datenströme miteinander zu vernetzen, sprach Dr. Pinar Wennerberg, beim Pharma- und Diagnostikkonzern Roche Diagnostics als Head of Knowledge Engineering and Data Modeling am Standort Basel tätig. „Die Personalisierte Medizin betrachtet jeden Patienten als einzigartiges Individuum – darauf müssen wir hinarbeiten“, betonte sie. Mit einer 360-Grad-Sicht auf die einzelne Person, ihre Krankheitsgeschichte und Lebensumstände könnten Diagnostik und Therapie langfristig deutlich gezielter ausgerichtet werden. „Die Konvergenz von Daten, Technologie und Analytik bietet eine außergewöhnliche Chance“, so Wennerberg. Im Moment würden jedoch viele Systeme noch als einzelne Applikationen entwickelt und erst später werde versucht, diese mit anderen Anwendungen zusammenzuführen. Wichtig sei, die Interoperabilität zu verbessern und Standards zu etablieren.

Wie wichtig der Faktor Mensch sei, betonte Joachim Bader, Geschäftsführer der AOK Bezirksdirektion Rhein-Neckar-Odenwald: „Voraussetzung für Innovationen ist, dass die Menschen diese auch annehmen. Dafür muss Ihnen aber auch der Nutzen klar sein.“

Vor diesem Hintergrund müsse die Kommunikation rund um das Thema Digitalisierung richtig angegangen werden. Es gehe darum, den Menschen die Sorgen zu nehmen und Vertrauen in digitale Anwendungen zu schaffen. Bader: „Die Beispiele von eRezept und elektronischer Patientenakte zeigen, dass wir hier noch ein gutes Stück Arbeit vor uns haben.“

Die Rolle der beteiligten Personen im Kontext Digitalisierung hob auch Kenngott hervor. Aus seiner Sicht sei es zum Beispiel nötig, die Ausbildung von Medizinern und Pflegenden langfristig zu erweitern: „Wir brauchen eine stärkere Einbindung von Informatik und Medizintechnik in diese Berufe, um das volle Potential an Wissen und digitalen Möglichkeiten auch im klinischen Alltag gezielt ausschöpfen zu können.“

Die Weiterbildung des Personals war auch in der Podiumsdiskussion ein zentrales Thema. „Wir brauchen einen Kompetenzzuwachs des Pflegepersonals im Bereich Digitalisierung“, unterstrich Ursel Wolfgramm Vorstandsvorsitzende, DER PARITÄTISCHE Baden-Württemberg. „Dafür müssen die Prozesse auf allen Ebenen zusammengebracht werden, um eine Gesamtlösung zu schaffen.“ Vielfach gebe es zwar einzelne neue Technologien und gute Ansätze, um Pflegende in der Praxis zu entlasten, aber deren Re-Finanzierung sei unklar. Wolfgramm drängte darauf, die Digitalisierung der Pflege in den Blick zu nehmen. „Sie ist unsere Zukunft, aber wir dürfen die Umsetzung in der Praxis nicht durch zu hohe bürokratische Hürden erschweren.“

Eröffnungsveranstaltung der Wanderausstellung „Gemeinsam für Gesünder“ zum Thema „Digitalisierung im Gesundheitswesen – Chancen und Herausforderungen“ im Business Development Center des Technologieparks Heidelberg. © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Digital Health Truck der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg (KTBW) © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Dr. Ute Leidig
Staatssekretärin, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Dr. Hannes Kenngott
Leiter Stabsstelle Medizinentwicklung, Innovationsmanagement und Digitalisierung, Universitätsklinikum Heidelberg © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Dr. Pinar Wennerberg
Head of Knowledge Engineering and Data Modeling, Roche Diagnostics – Information Solutions © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Dr. Hannes Kenngott, Dr. Ute Leidig, Caroline Friedmann, Dr. Pinar Wennerberg, Ursel Wolfgramm und Joachim Bader (v.l.n.r.) in der Diskussion zum Thema "Was leistet die Digitalisierung im Gesundheitswesen?". © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Besucher/-innen unserer Ausstellung "Gemeinsam für Gesünder". © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg
Besucherinnen und Besucher im Gespräch mit Referent/-innen im Anschluss an die Veranstaltung. © Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg

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